Weinanbaugebiete in Deutschland

Der Weinbau in Deutschland bewegt sich auf etwa 102.448 Hektar Anbaufläche und gliedert sich in 13 Anbaugebiete, welche bis auf die beiden Weinbauregionen Saale-Unstrut und Sachsen im Osten des Landes, überwiegend im Süden und Südwesten Deutschlands angesiedelt sind. Die Vielschichtigkeit der deutschen Weine kompensiert sich durch unterschiedlichste Terroirs mit vielfältigsten Bodenarten, gebietsspezifischen Rebsorten und verschiedensten, klimatischen Bedingungen.

Besonders hervorzuheben ist der deutsche Weisswein, der sich im internationalen Vergleich aufgrund der besonderen Klima- und Bodenverhältnisse des Landes an der Spitze der weltweit besten Weine befindet. Selten sind hell gekelterte Weine so fruchtig, saftig und spritzig und von so durchdringender Mineralität geprägt wie z.B. Rieslinge von Mosel und Rheingau, oder Grauburgunder aus Württemberg.

Deutsche Weinanbaugebiete (1-13) gegliedert nach Anbaufläche:

1 |     RHEINHESSEN ist mit ca. 26.600 Hektar Rebbaufläche die Nummer eins unter den Weinbaugebieten. Gelegen komplett linksrheinisch zwischen Bingen, Mainz, Alzey und Worms im Bundesland Rheinland-Pfalz, sorgt allerdings die Namensgebung des Anbaugebietes immer wieder für Verwirrung. Kurz erklärt: Das Anbaugebiet Rheinhessen hat keinerlei geographischen Bezug zum Bundesland Hessen. Der Name des Weinbaugebietes leitet sich aus seiner historischen Zugehörigkeit in den Jahren 1816 bis 1919 als namensgleiche Provinz im Großherzogtum Hessen ab. Die Gemeinden Worms, Nierstein, Alzey, Westhofen, Alsheim, Bechtheim, Ingelheim am Rhein und Flörsheim-Dahlsheim haben die am meist bestockten Rebflächen des Weinbaugebietes Rheinhessen. Produziert werden zu 70% Weissweine und zu 30% Rotweine. Im Rebsortenspiegel dominiert bei den Weissweinen unangefochten die Müller-Thurgau-Rebe und die Rieslingtraube, gefolgt von der Silvanerrebe, die mit fast 2.400 Hektar hier in Rheinhessen die größte Rebbaufläche weltweit hat. Die Rotweinfläche hat sich innerhalb der letzten 10 Jahre mehr als verdoppelt, im dominierenden Wettstreit liegen Dornfelder, Portugieser und Spätburgunder. Besonders Ingelheim am Rhein ist als Rotweinstadt bekannt.

2 |     Die PFALZ ist mit ca. 23.600 Hektar Rebbaufläche knapp die Nummer zwei unter den Weinbaugebieten. Die Pfalz als Weinbaugebiet ist ein etwa 35 Kilometer langer Mittelgebirgszug (die Haardt) der am östlichen Rand von Rheinland-Pfalz gelegen ist und sich vom südlichsten Teil Rheinhessens bis ins Elsass erstreckt. Gegliedert in die beiden Weinbauregionen Mittelhaardt und Südliche Weinstrasse erstreckt sich der nördliche Teil (MIttelhaardt) von Neustadt an der Weinstrasse nach Norden über Deidesheim, Bad Dürkheim und das Leininger Land bis ins Zellertal. Der südliche Teil (Südliche Weinstrasse) erstreckt sich von der Mitte der Deutschen Weinstrasse bis Schweigen direkt an der Französischen Grenze. Produziert werden zu 60% Weissweine und zu 40% Rotweine. Im Rebsortenspiegel dominiert bei den Weissweinen mit rund 5.800 Hektar Anbaufläche der Riesling – die Pfalz zählt seit 2008 als das größte Riesling-Gebiet der Welt, stark im Kommen sind Grau- und Weissburgunder, Müller-Thurgau, Kerner, Silvaner und Scheurebe. Bei den Rotweintrauben dominieren die Reben Dornfelder, Portugieser und Spätburgunder.

3 |     BADEN ist mit rund 15.800 Hektar Rebbaufläche das südlichste Weinbauland und das drittgrößte in Deutschland. Gelegen im Bundesland Baden-Württemberg erstreckt sich das Gebiet vom Taubertal im Norden bis zum Bodensee im Süden auf einer Länge von insgesamt 400 Kilometer und liegt geographisch im Südwesten des Landes. Die Anbauregion befindet sich in der wärmsten Gegend Deutschlands und wird wegen der warmen Temperaturen auch gerne als Burgunderland Baden benannt. Die gesamte Anbaufläche gliedert sich in die 9 Anbaugebiete Badische Bergstrasse, Bodensee, Breisgau, Kaiserstuhl, Kraichgau, Markgräferland, Ortenau, Tauberfranken und Tuniberg. Im Rebsortenspiegel dominieren vor allem die Burgundersorten (Spät-, Weiss- und Grauburgunder), unverwechselbar badisch der von wenig Säure geprägte Riesling, Müller-Thurgau, Gutedel (Chasselas), Rivaner und Schwarzriesling (Pinot Meunier).

4 |     WÜRTTEMBERG ist mit knapp 11.400 Hektar Rebbaufläche das viertgrößte und zusammen mit Baden das südlichste Anbaugebiet in Deutschland. Gelegen im Bundesland Baden-Württemberg erstreckt sich das Weinbaugebiet nördlich zwischen Bad Mergentheim im Taubertal entlang des Neckartals über Heilbronn, Stuttgart und Reutlingen bis ganz südlich nach Tübingen. Eine württembergische Wein-Exklave befindet sich zwischen Ravensburg und Kressbronn und umfasst auch die Weinlagen am bayerischen Bodenseeufer um Lindau, Wasserburg, Nonnenhorn und Hattnau. Im Rebsortenspiegel liegt bei den Weissweinsorten der Riesling ganz vorne, bei den Rotweinsorten dominieren vor allem die Trollinger-Rebe, Schwarzriesling, Lemberger und natürlich die Spätburgunder-Traube.

5 |     Die MOSEL stellt mit knapp 8.800 Hektar Rebbaufläche das fünftgrößte Weinbaugebiet und gilt zusammen mit den Anbaugebieten an den Nebenflüssen Saar und Ruwer als die älteste Weinbauregion in Deutschland. Das Anbaugebiet erstreckt sich zwischen Hunsrück und Eifel im Rheinischen Schiefergebirge entlang des Moseltals von Koblenz bis in die saarländische Gemeinde Perl und liegt in den Bundesländern Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Die gesamte Anbaufläche gliedert sich in die 6 Anbaugebiete Burg Cochem (gerne als Terrassenmosel bezeichnet), Bernkastel, Ruwertal, Saar, Obermosel und Moseltor. Produziert werden zu kapp 90% Weissweine und seit Ende der 1980 Jahre werden auch wieder Rotweinsorten wie Spätburgunder und Dornfelder angebaut. Der Platzhirsch unter den Weissweinsorten ist der Riesling, der in keinem anderen Anbaugebiet so mineralisch vinifiziert werden kann wie hier, dicht gefolgt von den Rebsorten Rivaner, Müller-Thurgau, Elbling und Kerne.

6 |     FRANKEN ist mit rund 6.100 Hektar Rebbaufläche das sechstgrößte Weinbaugebiet in Deutschland und gliedert sich weinrechtlich in die 3 Bereiche Mainviereck, Maindreieck und Steigerwald. Zwischen Aschaffenburg (Mainviereck), Wüzburg, Ochsenfurt, Schweinfurt und Bamberg folgt das Weinbaugebiet exakt der Mainschleife. Das Herz der Weinbauregion Franken ist das Maindreieck (die Stadt Würzburg befindet sich geographisch mittendrin) und geht hinunter bis nach Neustadt an der Aisch im Steigerwald. Alle Weinbergslagen befinden sich an südwärts gelegenen Talhängen des Mains oder seiner Nebenflüsse. Das Weinland Franken liegt im Kerngebiet am Nordrand des Bundeslandes Bayern und streift das Bundesland Baden-Württemberg. Produziert werden zu 80% Weissweine und zu 20% Rotweine. Im Rebsortenspiegel bei den Weissweinen dominiert die Rebe Müller-Thurgau, gefolgt von Silvaner, Bacchus und Riesling. Bei den Rotweinen Domina, Spätburgunder, Dornfelder und Schwarzriesling.

7 |     Die NAHE zählt mit rund 4.200 Hektar Rebbaufläche zum siebtgrößten Weinbaugebiet in Deutschland und liegt geographisch in Rheinland-Pfalz zwischen den Flüssen Mosel und Rhein. Die Weinregion Nahe grenzt im Norden an den Rheingau und im Osten an  Rheinhessen und wird in die 3 Regionen Untere Nahe, Mittlere Nahe und Obere Nahe gegliedert. Die untere Nahe zählt von Bingen bis Bad Kreuznach, die mittlere Nahe von Bad Kreuznach über Bad Münster-Ebernburg bis Schlossböckelheim und die obere Nahe von Schlossböckelheim über Bad Sobernheim bis nach Martinstein. Produziert werden zu 75% Weissweine und zu 25% Rotweine. Im Rebsortenspiegel bei den Weissweinen dominieren an der Spitze Riesling, Müller-Thurgau und Silvaner, die Rebsorten Grau- und Weissburgunder sind seit einigen Jahren sehr stark im Kommen. Bei den Rotweinen steht der Dornfelder an der Spitze, gefolgt von der Spätburgunder-Traube die in der Nahe-Region sehr gut gedeiht, die Rebsorten Portugieser und Regent.

8 |     Der RHEINGAU belegt mit knapp 3.200 Hektar Rebbaufläche den achten Platz der deutschen Weinbauländer. Geographisch im Bundesland Hessen gelegen unterteilt sich die Fläche in den östlichen Rheingau und westlichen Rheingau. Das Weinbaugebiet erstreckt sich von Hochheim am Main, östlich von Wiesbaden gelegen, weiter nördlich über Eltville am Rhein, Oestrich-Winkel, Geisenheim bis nach Lorchhausen das sich nördlich von Rüdesheim positioniert. Die Weinberge um das wenige Kilometer entfernte Lorch genießen in den letzten Jahren einen sehr guten Ruf der stetig weiter steigt. Der Rhein nimmt hier einen ungewöhnlichen Verlauf und fließt anstatt von Süden nach Norden von Osten nach Westen. Durch diese südliche Ausrichtung bedingt, werden die Weinberge von Sonne geradezu verwöhnt. Generell zählt das Rhein-Main-Gebiet zu einer der wärmsten und trockensten Wetterzonen und sorgt mit seinem fast schon mediterranen Klima für beste Weinbaubedingungen. Produziert werden zu 85% Weissweine und zu 15% Rotweine. Im Rebsortenspiegel dominiert vor allem die Riesling-Traube mit 90% der Gesamtrebfläche bei den Weissweinen, gefolgt von Müller-Thurgau und weißen Burgundersorten. Bei den Rotweinen brilliert die Spätburgunder-Traube, welche hauptsächlich bei Assmannshausen ausgebaut wird.

9 |     SAALE-UNSTRUT zählt mit 765 Hektar Rebbaufläche zum neuntgrößten Weinbaugebiet in Deutschland. Geographisch befindet sich die Anbaufläche in den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Mit 600 Hektar befindet sich der Löwenanteil des Weinbaugebiet Saale-Unstrut in Sachsen-Anhalt bei Freyburg und Naumburg und die restlichen knapp 160 Hektar verteilen sich in Thüringen um Bad Kösen und 5 Hektar in Werder an der Havel im Bundesland Brandenburg bei Potsdam. Das Anbaugebiet Saale-Unstrut zählt zu den trockensten Gebieten Deutschlands und die Rebbauflächen liegen, eingebettet von Harz und Thüringer Wald, in den geschützten Flusstälern und sind sowohl in Flach- als auch in steilen Hanglagen angelegt und mehrheitlich nach Süden ausgerichtet. Die meist trocken ausgebauten Weine haben eine erstaunliche Substanz und produziert werden zu 75% Weissweine und zu 25% Rotweine. Bei den Weissweinen dominiert die Rebe Müller-Thurgau, dicht gefolgt von Weissburgunder, Grauburgunder, Riesling und Silvaner. Bei den Rotweinen wird vor allem die Rebsorte Dornfelder vinifiziert, ebenso Portugieser und Spätburgunder, und sehr beliebt ist eine kleine Marge der Rebsorte Zweigelt

10 |     Die AHR belegt mit rund 563 Hektar Rebbaufläche den zehnten Platz bei den Deutschen Weinbaugebieten und befindet sich im Bundesland Rheinland-Pfalz. Das Ahrtal befindet im Norden von Rheinland-Pfalz, ist ein Teil des Rheinischen Schiefergebirges und liegt im Schutz des Eifelgebirges – es beherbergt ein Klima, das aussergewöhnlich gute Spätburgunder hervorbringt. Die Weinbauflächen der Ahr befinden sich zwischen Altenahr und Heimersheim und liegen alle in südlicher Ausrichtung am linken Ufer der Ahr. Produziert werden zu 84% Rotweine und zu 16% Weissweine. Bei den Rotweinen dominiert mit 64% Anteil die Spätburgundertraube, gefolgt von Portugieser und Frühburgunder. Der Frühburgunder reift 2 Wochen eher als der Spätburgunder und gilt unter den Traubensorten als absolute Rarität. Bei den Weissweinen dominiert die Riesling-Traube, gefolgt von der Rebsorte Müller-Thurgau.

11 |     SACHSEN belegt mit knapp 500 Hektar Rebbaufläche den elften Platz der deutschen Weinbauländer und befindet sich im Bundesland Sachsen. Das sächsische Weinbaugebiet ist in die 3 Regionen Meißen, Dresden und Elstertal unterteilt. Das Anbaugebiet erstreckt sich an der Elbe rund um Dresden zwischen Meißen und Pirna und im Bereich des Elstertal in die Anbaugebiete Schlieben (Brandenburg) und Jessen (Sachsen-Anhalt). Produziert werden zu 80% Weissweine und zu 20% Rotweine. Bei den Weissweinen dominieren Müller-Thurgau und Riesling zu gleichen Teilen, gefolgt von Weissburgunder, Grauburgunder ein wenig Elbling und Goldriesling. Die Goldriesling-Traube ist eine Kreuzung aus den beiden Rebsorten Riesling & Courtillier und wurde nur für das Weinbaugebiet Sachsen klassifiziert. Der Wein aus diesem fast kleinsten Anbaugebiet Deutschlands macht weniger als 1% der Weinproduktion in Deutschland aus.

12 |     Der MITTELRHEIN stellt mit knapp 470 Hektar Rebbaufläche eine der kleinsten Weinanbaugebiete in Deutschland dar, liegt im Bundesland Rheinland-Pfalz und erstreckt sich im Rheintal auf über 110 Kilometer zwischen Bingen und Koblenz. Die wichtigsten Weinberge des Weinbaugebiet Mittelrhein liegen befinden sich südöstlich von Koblenz zwischen Boppard und Bacharach. Das obere Mittelrheintal wurde im Jahr 2002 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Der untere Mittelrhein zwischen Koblenz und dem Siebengebirge bei Königswinter ist ausschließlich nur auf der rechten Rheinseite mit Rebstöcken bepflanzt, während am oberen Mittelrhein zwischen Bingen und Koblenz an beiden Rheinseiten Weinbau betrieben wird. Produziert werden zu 86% Weissweine und zu 14% Rotweine. Bei den Weissweinen dominiert mit fast 70% der Gesamtanbaufläche die Riesling-Traube, auf der restlichen Anbaufläche gedeihen Müller-Thurgau, Kerner und weiße Burgundersorten. Die wichtigste Rotweinsorte des Weinbaulandes Mittelrhein ist die Spätburgunder-Traube.

13 |     Die HESSISCHE BERGSTRASSE zählt mit knapp 450 Hektar Rebbaufläche mit Ahr, Sachsen und MIttelrhein zu den kleinsten Anbaugebieten in Deutschland. Geographisch liegt die Weinregion eingebettet zwischen Neckar, Rhein und Main an der Westflanke des Odenwaldes und teilt sich in 2 Regionen Starkenburg und Umstadt. Der größte Teil der Rebflächen erstrecken sich entlang des Rheins zwischen Starkenburg, Seeheim und Auersbach mit den wichtigsten Weinbauorten Bensheim und Heppenheim. Die wesentlich kleinere Region des Weinbaugebietes Hessische Bergstrasse ist die sogenannte Odenwälde Weininsel mit ihrem offiziellen Namen Bereich Umstadt – gelegen östlich von Darmstadt im Örtchen Groß-Umstadt. Produziert werden zu 80% Weissweine und zu 20% Rotweine. Bei den Weissweinen dominiert mit über 50% die Riesling-Traube, gefolgt von Müller-Thurgau, Grauburgunder und Silvaner. Bei den Rotweinen sind die Anbauflächen mit der Spätburgunder-Traube bepflanzt.

Infomaterial: Weinschule Krömker KG und Deutsches Weininstitut                      Redaktion, Photo & Text: Lorenz Looke

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